Tillich (CDU) ist nur der Sündenbock

Liebe Leser, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kündigte gestern an, sein Amt ab Dezember in "jüngere Hände" übergeben zu wollen.

Das hört sich für einen Außenstehenden nach einem der seltenen Politiker an, die rechtzeitig und vor allem freiwillig aus dem Amt scheiden, bevor man sie mehr oder weniger unfreundlich in Ruhestand schickt.

Bei etwas genauerem Hinsehen sieht die Sache dann aber doch etwas anders aus. Herr Tillich ist erst 58 Jahre und damit eigentlich noch weit entfernt vom politischen Altenteil. Zudem dürfte sich auch so mancher Bürger fragen, wieso er in naher Zukunft bis 67 arbeiten muss, um seine volle Rente zu erhalten, während ein führender Politiker sich mit 58 selbst in den Ruhestand versetzt.

Die Antwort ist ganz einfach: So ganz aus freien Stücken dürfte dieser Rückzug wohl doch nicht erfolgt sein, denn in der CDU rumort es seit den katastrophalen Stimmenverlusten bei der Bundestagswahl gewaltig. Dieser Kanzlerwahlverein ist in seinen Grundfesten erschüttert, und er ruft nach einem Sündenbock.

Dies deshalb, weil man sich an die wahre Schuldige noch nicht recht herantraut, auch wenn die ersten vorsichtigen parteiinternen Kritiker allmählich aus ihren Löchern kommen: Beispielsweise hat der CDU-Wirtschaftsrat Merkels ignorante Reaktion auf die massiven Stimmenverluste als ursächlich auch für die nun verloren gegangene Niedersachsenwahl gebrandmarkt.

Solange aber das Machtzentrum der Union, nämlich die gemeinsame Bundestagsfraktion aus CDU und CSU, nicht offen gegen die Kanzlerdarstellerin rebelliert und ihr die weitere Unterstützung verweigert, werden solche Worte ungehört verhallen.

Da sucht man sich lieber ein Bauernopfer wie jenen Herrn Tillich und wirft ihm allen Ernstes vor, er sei mitverantwortlich für die enormen Stimmenverluste der CDU an unsere Bürgerpartei, und zwar mit der Begründung - ich hoffe, Sie sitzen gut -, er habe die politische Bildung der sächsischen Bevölkerung viel zu spät gefördert.

Das ist also die Sicht der hochdemokratischen CDU auf das Wahlergebnis und seine Ursachen: Nicht etwa Frau Merkel hat mit ihrer illegalen Grenzöffnung, ihrer desaströsen Euro-"Rettung" und ihrer verpfuschten "Energiewende" unfassbare Fehler gemacht - nein, es lag an der mangelnden politischen Bildung der Sachsen, dass sie einfach nicht erkennen konnten, wie gut all diese Maßnahmen unserem Vaterland tun.

Wenn in einem solchen Zusammenhang aus Unionskreisen von "politischer Bildung" gesprochen wird, die angeblich zu spät gefördert wurde, dann liegt die Vermutung nicht fern, dass das Wort "Bildung" hier eher als Euphemismus zu sehen sein dürfte - "Indoktrination" träfe es wohl besser.

Nun soll also mit dem Abgang von Herrn Tillich die Welt der CDU wieder in Ordnung sein, und ein anderer CDUler soll sich als Ministerpräsident um die ausreichende politische Bildung seiner Schäfchen kümmern, nämlich ein gewisser Michael Kretschmer.

Kenner der politischen Szene in Sachsen werden sich in Anbetracht dieser Personalie fragen, wie panisch diese Partei mittlerweile sein muss: Kretschmer war einer derjenigen, die in Sachsen gegen den jeweiligen AfD-Kandidaten (in diesem Fall gegen meinen geschätzten Parteifreund Tino Chrupalla, mit dem ich noch drei Tage vor der Wahl gemeinsam Wahlkampf gemacht hatte) das Direktmandat verloren haben; er stand damit vor dem kompletten politischen Aus.

Da wird dann wohl der Bock zum Gärtner gemacht - aber was will man von einem Kanzlerwahlverein auch erwarten, welcher nicht in der Lage ist, der am Wahldebakel schuldigen Dame klarzumachen, dass ihre politische Zeit abgelaufen ist, egal wie sehr sie auch an ihrem Stuhl kleben mag.

Zeit für Merkel, endlich abzutreten. Zeit für die AfD.

Quelle:

https://www.welt.de/…/Ein-Verlierer-geht-ein-Verlierer-komm…

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