FDP - Nachrichten aus der Gruft

Die FDP will auch wieder mitspielen! Wer erinnert sich nicht an Walter Scheel, Hildegard Hamm-Brücher, Hans-Dietrich Genscher, erstaunlicherweise sogar Guido Westerwelle. Da man der Zukunft nicht viel zu bieten hat, werden auf dem Dreikönigstreffen der Liberalen trotzig die Geister der Vergangenheit beschworen. "Schaut her", erinnert uns der Vorsitzende Christian Lindner, "wir waren auch mal irgendwie relevant!" (und flexibel genug, mit jedem in die Kiste zu steigen, aber davon ist natürlich keine Rede). An Otto Graf Lambsdorff oder Jürgen Möllemann mag man sich scheinbar nicht mehr so gerne erinnern.

Die FDP hat ihre verdiente Auszeit im Backstage-Bereich der politische Bühne jedenfalls genutzt, um ihr schwammiges Profil halbwegs in Form zu kneten. Herausgekommen ist ein drolliges Sammelsurium an Aufregerthemen und Allgemeinplätzen, die man sich mal eben bei allen anderen Parteien gemopst hat, die diese bereits vorher bei der AfD geklaut haben. Mehr Sicherheit, natürlich, mehr starker Staat, zumindest ganz sachte, Gesetze müssen durchgesetzt werden, mit Terroristen spielt man nicht und inzwischen ist auch bei den Gelben angekommen, dass "Political Correctness" einfach nur nervt. Nicht fehlen darf der obligatorische kleine Mann, dessen Alltagssorgen man ernst nehmen müsse. Vermutlich hat Herr Lindner vergessen, dass seine Partei tatkräftig daran mitgewirkt hat, diesen Mann kleiner zu machen; die meisten von uns besitzen zu allem Elend leider nicht mal Hotels. Kurzum: Man ist jetzt mitte-populistisch.

Natürlich habe man auch über die "großen Themen" wie Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel, Bildung und Grundlagen des Wohlstands nachgedacht. "Die Geschäftsmodelle unserer Industrie sind über 100 Jahre alt. Wir brauchen neue Quellen von Wohlstand, den Rahmen für eine neue Gründerzeit", mahnt Lindner. Welche Quellen das sind und wie sein Rahmen aussieht, das verrät er nicht. Es soll wohl eine Überraschung werden. Wie er die Globalisierung bekämpfen will, den demografischen Wandel stemmen und überhaupt: Da muss man was machen. Als klassische Mehrheitsbeschafferpartei will man sich da vielleicht auch gar nicht so sehr festlegen, wie das alles konkret aussehen könnte. Man weiß halt nie, neben wem man nach der Wahlnacht aufwacht, falls man sich irgendwie doch noch ins gemachte Bett mogeln möchte. Ein Klassiker durfte dann aber natürlich doch nicht fehlen: Steuersenkungen. Kommt immer gut. Niemand wird etwas dagegen einwenden und die Gefahr, dass sie kommen, besteht realistisch gesehen ohnehin nicht.

Bleibt die spannende Frage: Wofür brauche ich nun die FDP? Was genau ist "frei" an den Freien Demokraten? Sicher, ich bin nicht naiv, ich erwarte ja auch nicht christliches Gedankengut bei der CDU. Aber sie könnten zumindest so tun, als stünde das "frei" für "Freiheit" und nicht für "Beliebigkeit". Wenn mir als Libertärer die AfD näher steht als die selbsternannten Liberalen, dann machen sie irgendwas sehr falsch. Der kampflos aufgegebene Mitte-rechts-Stuhl, auf dem man sich nun wieder gemütlich einrichten möchte, ist jedenfalls schon besetzt. Und da hat der Herr Lindner absolut recht: "Dann könnt ihr ja mal wieder was Vernünftiges wählen." Das werde ich tun: Blau.